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Führt das Füttern mit dem Löffel zu Gewichtsproblemen bei Babys?

Eltern, die ihre Babys mit dem Löffel füttern, möchten sich und dem Nachwuchs gerne etwas Gutes tun. Denn wenn die Kleinen mit den Händen essen, werden weder Tischmanieren gelernt, noch bleibt der Esstisch sauber. Eine Praxis, die sich als fataler Irrtum erwiesen hat. Experten der englischen Swansea University haben nun in einer Studie herausgefunden, dass mit dem Löffel gefütterte Babys ein mehr als doppelt so großes Risiko für Übergewicht haben als Säuglinge, die mit den Fingern essen.

Die Hälfte aller mit dem Löffel gefütterten Babys haben Gewichtsprobleme!

Die von Prof. Amy Brown geleitete Studie untersuchte insgesamt 298 Säuglinge. In Phase eins wurden die Babys im Alter von sechs und zwölf Monaten bei der Umstellung von flüssiger zu fester Nahrung beobachtet. In der zweiten Phase wurden Gewicht und Essverhalten derselben Kinder im Alter zwischen 18 und 24 Monaten untersucht. Die Ergebnisse waren beeindruckend und erschreckend zugleich. Die Hälfte aller Babys, die mit dem Löffel gefüttert wurden, hatten Übergewicht entwickelt, während Kinder, die selbst bestimmen und mit der Hand greifen durften, was sie essen, nur zu 8 % zu viel Gewicht auf die Waage brachten. In der Gruppe der mit dem Löffel gefütterten Säuglinge war bereits eine signifikante Anzahl der Kinder im Alter von sechs Monaten übergewichtig. Die Entwicklung von Übergewicht sei laut der Forschergruppe jedoch unabhängig vom Geburtsgewicht, Stillen, Alter der Entwöhnung von der Brust und sozialer Herkunft der Mutter.

Füttern mit dem Löffel macht aus Babys heikle Esser

Füttern mit dem Löffel führt dazu, dass Babys mehr essen als notwendig. Die natürliche Sättigungsbremse wird dabei schon bei den Allerkleinsten ausgeschaltet, während gemäß der Studie Kleinkinder, die mit den Händen essen, automatisch aufhören, wenn sie satt seien. Das Füttern mit dem Löffel trägt auch dazu bei, wählerische Esser heranzuziehen “ Wenn ein Baby sich seine Mahlzeiten selbst aussucht, kann es viel leichter kontrollieren, was es zu sich nimmt und wird nur so viel essen, wie es tatsächlich benötigt. Das Kind greift automatisch zu einer breiteren Palette an Geschmacksrichtungen. So ist die Chance größer, später am Tisch keinen heiklen Esser sitzen zu haben“, erklärt Prof. Amy Brown.

Die meisten Eltern überfüttern ihre Babys

Viele Eltern überfüttern ihre Kinder, ohne es zu merken. Isst das Baby nur ein halbes Gläschen, wird mit dem Löffel tüchtig nachgeholfen, weil der Nachwuchs zu wenig gegessen haben könnte. Oder nach kurzer Zeit wird probiert, den Rest des Gläschens in das Baby zu verfrachten. Wenn das Kleinkind aber mit einem Löffel gefüttert wird, ist es überhaupt nicht in der Lage, seine Portionen selbst einzuteilen. Dabei senden Säuglinge Sättigungssignale aus, jedoch müssen Eltern lernen, ihrem Kind diesbezüglich zu vertrauen. „Ein ganzes Glas Babynahrung ist definitiv zu viel für einen Säugling“, warnt Prof. Brown, die über ihre Studie zu den Fütterungsgewohnheiten von Babys mittlerweile auch ein Buch veröffentlicht hat, eindringlich.

Nicht zu früh mit Gläschen und Brei anfangen

Manche Hersteller empfehlen ihre Produkte bereits ab dem vierten Lebensmonat. Doch diese Kost ist für Babys in der Regel zu schwer und kann im Magen-Darm-Trakt noch gar nicht richtig verwertet werden. Das Resultat ist dann ähnlich wie wenn Erwachsenen ein opulentes Festmahl in der Nacht wie ein Stein im Magen liegt. Wenn das Baby den mit dem Löffel gefütterten Brei dann ablehnt, hat es somit einen guten Grund. Verzweifelte Eltern versuchen dann nachzuhelfen, indem Der Inhalt kurzerhand ins Fläschchen gestopft wird. Doch mit dem Sauger verhält es sich ähnlich wie mit dem Löffel: Der Sättigungsreflex setzt viel zu spät ein und das Kind wird überfüttert. Die Folgen sind schlechter Schlaf und langfristig Übergewicht.

Wann sind Kinder reif zum selber essen?

Reif für den Brei sind Babys in der Regel zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat. Eltern können das an relativ eindeutigen Signalen ausmachen. Wenn das Baby Mama und Papa interessiert beim Essen zuschaut, könnte das ein Hinweis sein, es einmal selbst zu versuchen. Auch wenn das Kind beim Sitzen noch gestützt werden muss, sollte der Kopf stabil sein und der Zungenstoßreflex, mit dem Brei und Gläscheninhalt automatisch aus dem Mund befördert werden, aufgehört haben. Ein weiteres Anzeichen, dass man mit Brei, Gläschen und kleinem Fingerfood beginnen kann, ist es, wenn das Baby nach Dingen greift und diese zum Mund führen kann. Mit etwa sieben Monaten lernt das Baby den Pinzettengriff, das heißt, es kann Dinge zwischen Daumen und Zeigefinger halten.

Wehret den Anfängen

Bild Baby isst mit den Fingern

„Ein Löffel für die Mama, einen Löffel für den Papa!“ – Eltern lassen nichts unversucht, den Nachwuchs zum Aufessen zu bewegen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch ein Kleinkindleben und gipfelt in mehr oder weniger ernst ausgesprochenen Drohungen wie „Wenn du deinen Teller nicht aufisst, gibt es morgen schlechtes Wetter!“ Dabei stellt Übergewicht bei Kindern eines der größten gesundheitlichen und sozialen Risiken in den Industriestaaten dar. „Dafür zeichnen sich verschiedene Faktoren verantwortlich, aber mittlerweile hat sich das Bewusstsein durchgesetzt, dass der Fütterungsstil im Säuglings-und Kleinkindalter maßgeblich dafür verantwortlich ist, wie sich der Appetit und die Essgewohnheiten eines Kindes entwickeln“, erklärt Prof. Brown und appelliert an alle Eltern, zur Entwicklung eines gesunden Essverhaltens so früh wie möglich beizutragen.

Die Hände ins Spiel bringen

Babys müssen essen und ihre Portionen selbst einteilen lernen. Dazu gehört auch, dass der Brei durch die Gegend fliegt, etwas umkippt oder die Erkenntnis, was passiert, wenn Essen auf den Boden fällt oder zwischen den Fingern zerrieben wird. Denn Kinder müssen nicht nur Geschmacksrichtungen, sondern auch die Beschaffenheit von Nahrungsmitteln erfahren. Dadurch entsteht erst einmal Chaos in der Küche, doch Eltern sollten hier locker bleiben. Viele haben auch Angst, die Unordnung könne mit herumfliegendem Brei und Gläscheninhalt überhandnehmen. Ab sechs Monaten ist es unproblematisch, dem Baby ergänzend zum Stillen Püree und kleines Fingerfood zu geben. Schritt für Schritt können Eltern weitere Nahrungsmittel auf dem Speiseplan einführen. Sehr gut zum Essen mit den Fingern eignet sich zum Beispiel Reis, aber auch kleine Stückchen Fleisch. Gedünstetes Gemüse, weiches Obst aber auch gekochte Nudeln bieten sich ebenfalls als Fingerfood an. Eingeweichtes Brot und Brötchen kann man anbieten, aber aufgrund der Gefahr des Verschluckens sollten Varianten ohne Körner und Samen gewählt werden. Zähne muss Baby zum selbstständigen Essen noch nicht haben.

Bildernachweis:
Titelbild – Urheber: creatista / 123RF Lizenzfreie Bilder
Baby isst mit den Fingern – CC0 Public Domain / Pixabay.com

About Peggy

Mein Name ist Peggy und ich bin Mutter eines Sohnes. Gerne freue ich mich über einen Erfahrungsaustausch mit anderen Mamas über fast alle Themen rund um Baby und Kind.

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